In der starbesetzten Komödie "Abenteuer Weihnachten - Familie kann nie groß genug sein" (Freitag, 15. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt Juergen Maurer an der Seite von Maria Furtwängler einen Vater, der zwar viele Kinder mit drei Frauen hat, der aber vor allem sein Ego in den Mittelpunkt allen Lebens stellt. Zu Weihnachten wünschen sich seine Kinder ein großes Patchwork-Fest. Doch die Streitereien der Erwachsenen scheinen dies unmöglich zu machen. Juergen Maurer, 56, einer der bekanntesten Schauspieler Österreichs (diverse "Tatort"-Episoden, "Vienna Blood", "Bonn - Alte Freunde, neue Feinde"), ist selbst überzeugter Familien-Patchworker. Aus früheren Beziehungen hat er zwei Kinder und auch seine Lebensgefährtin, die Schauspielerin Maria Köstlinger ("Vorstadtweiber"), brachte eine Tochter mit in die Beziehung. Im Interview erzählt Juergen Maurer, warum ihn Männer wie seine jüngste Filmrolle so unendlich nerven und wie man es sich zu Weihnachten richtig schön machen kann.

 

Sie leben in Klosterneuburg vor den Toren von Wien. Dort fand neulich das Fußball-Länderspiel Österreich gegen Deutschland statt. Haben Sie gejubelt?

Juergen Maurer: Ja, natürlich haben wir das daheim geschaut - und auch gejubelt. Meine Partnerin und ihr Vater sind bei uns die größeren Fußballfans. Aber ich habe es natürlich auch geschaut und war begeistert, habe aber auch ein bisschen über Deutschland geweint. Immerhin habe ich sechs Jahre lang in Leipzig gelebt.

In Deutschland, das bekommen Sie wahrscheinlich mit, wird im Feuilleton gerade gern der Zustand des Landes mit dem der Nationalelf verglichen. Und ein allgemeiner Niedergang ausgerufen ...

Maurer: Okay, ich verstehe die Fassungslosigkeit, denn momentan seid ihr Deutschen im Fußball tatsächlich nicht besonders schwer zu schlagen. Alle weiteren Erkenntnisse halte ich, ausgehend vom Zustand der Nationalmannschaft, für übertrieben.

Juergen Maurer: "Es war mir fast schon unangenehm, so eine Figur zu spielen"

Neue Erkenntnisse bringt auch Ihr Weihnachtsfilm mit dem Untertitel "Familie kann nie groß genug sein". Würden Sie diesen Satz auch privat unterschreiben?

Maurer: Ja, das würde ich. Patchwork ist die neue Normalität. Und das finde ich gut so. Es war auch einer der Gründe, warum ich den Film machen wollte. Weil es höchste Zeit ist, dass auch in die Denkmuster des Durchschnittsbürgers einsickert, dass Patchwork für den Zusammenhalt in der Familie keinerlei Nachteil darstellt, wenn man es richtig macht.

Wobei Sie im Film erst mal der Bösewicht im Weihnachtskosmos sind. Ein Vater, der mehrere Familien in den Sand gesetzt hat und immer noch ziemlich garstig ist ...

Maurer: Es war mir fast schon unangenehm, so eine Figur zu spielen. Ein derart überholtes Modell von Mann! Die Scrooge-artige Figur gehört natürlich zum Weihnachtsfilm dazu. Schließlich muss jemand von der Liebe bekehrt werden. Trotzdem hatte ich damit schon meine Schwierigkeiten. Ein Mann in den Fünfzigern, der jetzt bei der dritten Frau angekommen ist - und sich beim Alter der Partnerinnen immer weiter nach unten hangelt. So etwas mag ich nicht!

Tatsächlich wird sich kaum jemand mit ihm identifizieren wollen, oder?

Maurer: Vielleicht nicht konkret, weil er nicht besonders charmant ist. Aber ich kenne einen Haufen Männer meines Alters, die Familien-Restarts hingelegt haben.

Erfolgreich?

Maurer: Der eine sagt ja, der andere nein. Wer soll das beurteilen?

"Ich liebe Kinder über alles"

Finden Sie es denn verwerflich, solche "Restarts", wie Sie es nennen, hinzulegen?

Maurer: Verwerflich ist ein großes Wort. Jeder Mann muss selbst wissen, auf welche Weise er glücklich werden will. Ich finde nur, dass ich bei 60-jährigen Vätern, die ich mit einem vierjährigen Kind an der Hand herumlaufen sehe, oft in den Augen sehe, dass es ihnen schwerfällt. Für mich wäre das nichts. Ich bin aber auch sehr glücklich und in einer stabilen Beziehung mit meiner nur unwesentlich jüngeren Partnerin.

Ihre eigenen Kinder sind wie alt?

Maurer: Die sind Anfang 20. Das ist super so, und ich freue mich sehr auf meine kommende Großvaterrolle. Ich liebe Kinder über alles.

Wie feiern Sie Weihnachten? Auch im großen Patchwork, so wie im Film?

Maurer: Meine Partnerin hat noch eine Tochter, meine "Beutetochter" sozusagen, und dann kommen eventuell meine beiden Kinder. Bei uns im Haus ist an Weihnachten viel los. Meine Lebensgefährtin Maria ist in Schweden geboren, ihre Mutter ist Schwedin. Maria sind Weihnachtstraditionen sehr wichtig, vor allem das große schwedische Weihnachtsbüfett. Das ist auch wirklich herrlich!

"Respekt und Achtsamkeit sind die wichtigsten Zutaten"

Wie viele Leute feiern bei Ihnen?

Maurer: Wenn alles klappt, kommen die Schwiegereltern, Maria und ich und zumindest zwei der drei Kinder. Vielleicht stößt noch ein alter Freund aus Schweden dazu, der meine Schwiegereltern oft begleitet. Am Tag nach Weihnachten haben wir dann immer "offenen Stall" bei uns daheim. Dann kommen noch viele andere liebe Menschen, bestimmt 15 bis 20 Leute. Das ist auch eine Tradition bei uns. Wir können uns über Zulauf nicht beschweren. Vielleicht, weil alle wissen, wie lecker es schmeckt (lacht).

Das klingt nach viel Harmonie. Warum gibt es zu Weihnachten dennoch so viele Familienkrisen?

Maurer: Weil dann am deutlichsten Erwartungen emotionaler Art auf die nackte Realität treffen. Man muss sich das bewusst machen und sich mit Familie und Freunden gerade zu Weihnachten richtig Mühe gehen. Oder besser formuliert: Sich bewusst machen, worum es im Leben wirklich geht.

Worum geht es denn?

Maurer: Zumindest an Weihnachten geht es darum, dass man zusammenkommt. Man feiert, dass man ein warmes Örtchen hat, etwas Gutes zu Essen und eine Familie, auf die man sich verlassen kann. Wie immer die zusammengesetzt sein mag. Respekt voreinander und Achtsamkeit sind die wichtigsten Zutaten, um Weihnachten harmonisch miteinander feiern zu dürfen.

"Das Ego ist gerade an Weihnachten fehl am Platz"

Also weniger Ego und mehr Gemeinsinn?

Maurer: Ja, das Ego ist gerade an Weihnachten fehl am Platz. Man sollte dann, aber auch sonst, viel öfter im Leben die berühmte Frage aus Wolfram von Eschenbachs "Parzival" stellen: "Was kann ich für dich tun?" Doch so zu denken, ist selten geworden in unserer Welt. Vor allem der Jerry, meine Figur im Film, denkt eher gegenteilig.

Glauben Sie, dass sich solche ego-bezogenen Macho-Typen tatsächlich verändern können? Dass aus ihnen doch noch empathische Menschen und gute Väter werden können?

Maurer: Ich glaube, dass wir mit einem ordentlichen Rucksack ins Leben hineingeboren werden. Gerade, wenn es um unsere Beziehungen geht. Das eigene Elternhaus ist sehr prägend in der Hinsicht, wie wir für uns Beziehungen definieren und mit Leben füllen.

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