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Der Barcelona-Krimi: Darum ist die Folge vom 25.7. beeindruckend

Im sechsten "Barcelona-Krimi" werden im Container-Hafen der Stadt eine junge Polizistin und ein Drogendealer erschossen. Doch nicht die Story ist das, was in dieser Folge der ARD-Krimireihe am meisten beeindruckt.

In Fernsehkrimis, die große Hollywood-Vorbilder nachahmen, sind die schönsten Stellen doch immer diejenigen, die nicht vorgeben, besonders neu und originell zu sein. Im sechsten, nun zur Primetime wiederholten ARD-"Barcelona-Krimi" mit dem vielsagenden Titel "Der Riss in allem" (Das Erste, Donnerstag, 25.7., 20:15 Uhr) gibt es so eine schöne Stelle. In der sind die Polizisten Xavi Bonet (Clemens Schick) und Fina Valent (Anne Schäfer) ganz in ihrem Element, wenn sie Profiler-mäßig die Einschussrichtungen an zwei Toten im Containerhafen von Barcelona untersuchen und den Tathergang mit der Pistole im Anschlag noch einmal nachstellen: "Peng!"

Der Rest ist Sache der Spusi: Die Einschüsse kamen von oben. Wer aufgepasst hatte beim Teaser, der hatte es sowieso bemerkt, dass da einer mit der Flinte irgendwo hoch droben hantiert hatte. Egal, wie: Sie sind die ganz harten in Barcelona: Xavi und Fina, die sich immer - sei es schweigend oder stichelnd - ein wenig auf den Wecker gehen und doch letztlich immer die richtigen Sachen machen, wobei Xavi, übrigens schwul, sein hartgesottenes Macho-Bewusstsein nie ablegen muss.

Die ganze Stadt ist "voll von Drogen"

Diesmal bekommen sie allerdings vom Barcelona-gebürtigen Deutsch-Spanier Alex Brendemühl in der Rolle des Sonderermittlers Marcos Cuaron heftige Konkurrenz. Der Undurchdringliche mit dem offenbar besonders bei Frauen unumstößlichen Charisma mischt sich als "OK"-Chef (Organisierte Kriminalität) in alles ein und hat obendrein Fina sofort am Haken. Es ist das, wovon jeder Mann kaum zu träumen wagt: Einmal tief geguckt, und schon ist die Dame dahin. Im Film selbst glaubt man's lange kaum und denkt, Fina will nur spielen. Sie hat den OK-Boss längst als Mafia-Maulwurf durchschaut und wird ihn so lange ködern, bis der Kerl geoutet ist.

Der Don Juan, der laut Drehbuch (Remy und Katharina Eyssen) durch den schurkischen Mord an seiner Frau schwer geschädigt ist, lässt von Beginn an kaum Zweifel an seiner Zwielichtigkeit. Sexuelle Umtriebe innerhalb des Polizeireviers sind ihm nicht fremd, enttäuschte Liebe aber auch nicht. Zudem ist der Mann natürlich stinkreich, was er selbst beflissen mit dem Erbe seiner Tante erklärt.

Barcelona-Krimi: Zwei weitere Episoden sind abgedreht

Ja, es gibt viele Klischees in diesem "Barcelona-Krimi". Leider wird jedoch zu wenig mit ihnen gespielt. Mag ja sein, dass die ganze Stadt "voll von Drogen" ist, wie hier behauptet wird, dass sich Cops womöglich deren Attraktion gar nicht entziehen können. Aber ein guter Plot wäre halt doch mehr wert als die Behauptung einer düsteren Gegenwelt gegenüber dem Barcelona der Touristen.

Patrick Orth ("Toni Erdmann", "Die perfekte Kandidatin") hat bei alldem unter der Regie von Carolina Hellsgård als Kameramann allerdings ein Containerhafen-Barcelona hingezaubert, das mit langen Schwenks und Fahrten Barcelona atmen lässt. Das ist beeindruckend und geht über die Fremdenverkehrs-Klischees und Alibi-Kulissen anderer Donnerstagsfilme aus Europa weit hinaus.

Bei der Erstausstrahlung im Mai 2022 sahen 5, 25 Millionen Menschen beim sechsten "Barcelona-Krimi" zu. Die Filme neun und zehn der Reihe sind bereits abgedreht, die Ausstrahlungstermine stehen derzeit noch nicht fest.

Das Original zu diesem Beitrag "Der Barcelona-Krimi: Darum ist die Folge vom 25.7. beeindruckend" stammt von "Teleschau".